Der typische Diensttag in der Stammeinheit
Nachdem die fordernde Grundausbildung abgeschlossen ist, normalisiert sich der Alltag erheblich. In der Stammeinheit ähnelt der militärische Alltag in weiten Teilen einem regulären Zivilberuf – zumindest was die Dienstzeiten angeht. Der Tag ist geregelt, doch je nach Truppengattung und Funktion (z.B. IT-Soldat am Schreibtisch vs. Jäger im Feld) unterscheidet sich der inhaltliche Tagesablauf massiv.
| Uhrzeit | Typische Tätigkeit (Beispiel) |
|---|---|
| 06:00 - 06:45 | Frühstück in der Truppenküche |
| 07:00 | Dienstbeginn / Antreten, Befehlsausgabe für den Tag |
| 07:15 - 12:00 | Dienstlicher Aufgabenbereich (Fahrzeugwartung, Büroarbeit, Ausbildung, Übungen, Sport) |
| 12:00 - 13:00 | Mittagspause |
| 13:00 - 16:30 | Dienstlicher Aufgabenbereich Fortsetzung |
| 16:30 | Dienstschluss (Ausnahme: Wache, Übungen oder Sonderdienste) |
| Ab 16:30 | Freizeit, Abendessen, Sport, Entspannung auf der Stube |
Unterbringung: Das Leben auf der Stube
Für Zeitsoldaten ist die Frage der Unterbringung zentral. Grundsätzlich besteht in den ersten Dienstjahren eine Verpflichtung, in der Kaserne zu wohnen (Gemeinschaftsunterkunft). In der AGA sind 4- bis 6-Mann-Stuben die Regel. In der Stammeinheit verbessert sich dies oft drastisch:
- Stubenbelegung: Die Bundeswehr modernisiert fortlaufend. Zwar gibt es noch ältere Kasernen mit 2- bis 4-Mann-Stuben, das Ziel ist jedoch der sogenannte "Attraktivitätsstandard", der vermehrt Einzel- und Doppelstuben mit eigenem Sanitärbereich vorsieht.
- Mobiliar: Jede Stube ist genormt ausgestattet: Bundeswehr-Spind (abschließbar, nach System einzuräumen), Bett, Tisch, Stuhl, evtl. kleines Regal. Ein eigener Fernseher oder PC kann meist mitgebracht und aufgestellt werden.
- WLAN: Inzwischen bieten fast alle Kasernen kostenloses, wenngleich manchmal in der Bandbreite begrenztes, WLAN für Soldaten an.
- Ordnung und Sauberkeit: Auch in der Stammeinheit muss die Stube sauber und ordentlich gehalten werden (Stuben- und Revierreinigung). Die Kontrollen sind jedoch weniger pedantisch als in der Grundausbildung.
Dienstzeiten und Überstunden
Seit der Einführung der Soldatenarbeitszeitverordnung (SAZV) ist die Dienstzeit bei der Bundeswehr streng geregelt. Für Soldaten auf Zeit gilt grundsätzlich eine regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit von 41 Stunden.
Werden mehr Stunden geleistet – beispielsweise durch Nachtmärsche, mehrtägige Übungen, Wache oder Einsätze – müssen diese als Überstunden erfasst werden. Für diese Stunden wird im Regelfall Dienstzeitausgleich gewährt. Das bedeutet: Für geleistete Mehrarbeit gibt es zusätzliche freie Tage (Freistellung vom Dienst, FvD). In Ausnahmefällen, in denen ein Freizeitausgleich aus dienstlichen Gründen nicht möglich ist, können Überstunden auch finanziell abgegolten werden.
Verpflegung
In jeder größeren Kaserne gibt es eine Truppenküche. Wer als Kasernenschläfer gemeldet ist, kann dort Frühstück, Mittagessen und Abendessen einnehmen. In der Regel zahlen Soldaten die Verpflegung bargeldlos oder per Essenskarte und das Essen ist stark subventioniert. Alternativ gibt es oft Mannschaftsheime (MaHe), Cafeterien oder Kantinen auf dem Kasernengelände für Snacks, Kaffee oder eine Pizza nach Dienstschluss.
Uniform und Dienstkleidung
Im Kasernenalltag wird der Feldanzug (Flecktarn) getragen, bei bestimmten Tätigkeiten auch der Dienstanzug oder spezielle Schutzkleidung. Die Bekleidung wird kostenlos zur Verfügung gestellt. Im Gegensatz zur freien Wirtschaft sparen Soldaten so erhebliche Kosten für Berufskleidung. In der Freizeit nach Dienstschluss sowie beim Verlassen der Kaserne ist das Tragen ziviler Kleidung erlaubt, auch das Pendeln in Uniform ist unter gewissen Vorlagen gestattet (oft mit dem Vorteil von kostenlosen Bahnfahrten).
Sport und Fitness
Körperliche Fitness gehört zum Berufsbild eines Soldaten. Deshalb ist Dienstsport ein fester und verpflichtender Bestandteil des wöchentlichen Dienstplans. Soldaten nutzen Dienstzeit, um Sport zu treiben. Kasernen sind hierfür in der Regel hervorragend ausgestattet: Eigene Sporthallen, Krafträume, Tartanbahnen, Hindernisbahnen und manchmal sogar kleine Schwimmbäder stehen zur Verfügung und können meist auch nach Dienstschluss in der Freizeit kostenfrei genutzt werden.
Urlaub und Freizeit
Ein Soldat auf Zeit hat Anspruch auf 30 Tage Erholungsurlaub pro Jahr (bei einer 5-Tage-Woche). Hinzu kommen eventuelle dienstfreie Tage, die durch Überstundenabbau (FvD) oder nach Einsätzen und Übungen anfallen.
Nach Dienstschluss (z.B. ab 16:30 Uhr) beginnt die Freizeit. Es gibt Ausgang bis zum Wecken am nächsten Tag, insofern keine Wache oder Bereitschaft ansteht. Am Wochenende fahren die meisten Soldaten nach Hause ("Wochenendpendler"). Für die Heimreise mit der Deutschen Bahn gibt es für Soldaten in Uniform das Angebot des kostenfreien Fahrens, was ein enormer finanzieller Vorteil ist.
Pflichten und Regeln des militärischen Lebens
Der Alltag in der Kaserne unterliegt dem Soldatengesetz (SG). Ein Zeitsoldat hat besondere Pflichten, die weit über die Pflichten eines zivilen Arbeitnehmers hinausgehen:
- Gehorsamspflicht (§ 11 SG): Befehle von Vorgesetzten müssen rechtzeitig, vollständig und gewissenhaft ausgeführt werden, solange sie keinen Verstoß gegen geltendes Recht (z.B. Menschenrechte) darstellen.
- Kameradschaftspflicht (§ 12 SG): Soldaten müssen zusammenhalten, die Würde, Ehre und die Rechte des anderen achten und sich in Not und Gefahr beistehen.
- Wohlverhaltenspflicht (§ 17 SG): Das Verhalten eines Soldaten muss auch in der Freizeit und außer Dienst der Achtung und dem Vertrauen gerecht werden, die sein Dienst erfordert (z.B. keine Trunkenheit in Uniform am Bahnhof, angemessenes Verhalten in sozialen Medien).
Pendeln oder wohnen? (Heimschläfer und Trennungsgeld)
Ab dem 25. Lebensjahr oder für Soldaten, die verheiratet sind bzw. in einer anerkannten Lebenspartnerschaft leben, entfällt in der Regel die Verpflichtung, in der Kaserne zu schlafen. Sie können einen Status als Heimschläfer beantragen. Viele Zeitsoldaten beziehen dann eine eigene Wohnung in Standortnähe.
Müssen Sie aus dienstlichen Gründen an einen anderen Standort wechseln, der zu weit von Ihrem Wohnort entfernt ist, steht Ihnen unter bestimmten Voraussetzungen Trennungsgeld (TG) zu, um die Kosten der doppelten Haushaltsführung und der Pendelfahrten teilweise auszugleichen. Mehr finanzielle Details finden Sie im Bereich Gehalt & Besoldung.
Tipp für den Alltag
Pflegen Sie die Kameradschaft nach Dienstschluss. Auch wenn Sie am liebsten auf der Stube Netflix schauen möchten – das gemeinsame Training im Kraftraum, das Treffen im Mannschaftsheim oder gemeinsame Unternehmungen in der Standortstadt stärken den Zusammenhalt enorm und helfen durch anstrengende Phasen des Dienstes.