Was ist die Grundausbildung?

Die Allgemeine Grundausbildung (AGA) ist der Einstieg für jeden angehenden Soldaten auf Zeit sowie freiwillig Wehrdienstleistende. Innerhalb von drei Monaten erlernen Sie das wesentliche militärische Handwerkszeug, das als Fundament für Ihre gesamte militärische Laufbahn dient. Unabhängig davon, für welche Laufbahn oder Teilstreitkraft (Heer, Luftwaffe, Marine, Sanitätsdienst) Sie sich entschieden haben – jeder durchläuft diese erste und prägende Phase der Ausbildung.

Ziel der Grundausbildung ist es, Zivilisten an das militärische Leben heranzuführen. Neben der körperlichen Fitness, dem sicheren Umgang mit der Waffe und den militärischen Umgangsformen stehen auch Teamgeist, Disziplin und Kameradschaft im Fokus. Das Motto lautet oft: "Einer für alle, alle für einen." Die ersten Wochen werden mental und körperlich sehr herausfordernd sein, aber Sie werden überrascht sein, wie schnell Sie an den neuen Aufgaben wachsen.

Ablauf der drei Monate

Die drei Monate der Grundausbildung sind straff organisiert. Die Ausbildung baut systematisch aufeinander auf. Es beginnt mit den Grundlagen und steigert sich bis hin zum Gefechtsdienst im Feld.

Monat 1: Ankommen, Einkleidung und Grundlagen
Die ersten Wochen stehen ganz im Zeichen des Ankommens und der administrativen Erfassung. Sie erhalten Ihre Einkleidung, also die Uniformen und Ausrüstung. Zudem werden Gesundheitschecks durchgeführt. Auf dem Dienstplan stehen zunächst die Formalausbildung (Marschieren, Grüßen, Antreten), politische Bildung und die Einweisung in die Dienstvorschriften (ZDv). Der Basis-Fitness-Test (BFT) wird abgelegt und die erste Waffenausbildung am Gewehr G36 und der Pistole P8 beginnt in der Theorie sowie trocken auf der Stube oder im Ausbildungsraum.
Monat 2: Schießausbildung, Gefechtsdienst und Erste Hilfe
Im zweiten Monat rückt das Handwerkzeug des Soldaten mehr in den Fokus. Sie gehen das erste Mal auf die Schießbahn und absolvieren Schießübungen mit scharfer Munition. Die Ausbildung zum Einsatzersthelfer Alpha (Sanitätsausbildung) ist essenziell und wird intensiv trainiert. Der Gefechtsdienst für alle Truppen rückt in den Mittelpunkt: Sie lernen Tarnung, Orientierung im Gelände (mit Karte und Kompass), Stellungsbau und das Verhalten bei Beschuss. Erste längere Märsche mit Gepäck fordern Ihre Ausdauer heraus.
Monat 3: Biwak, Rekrutenbesichtigung und Gelöbnis
Der Höhepunkt und Abschluss der Grundausbildung findet im dritten Monat statt. Das sogenannte Biwak – das Leben und Überleben im Feld über mehrere Tage hinweg – fordert alles Gelernte. Danach folgt die Rekrutenbesichtigung: In einer umfassenden Abschlussprüfung wird das theoretische und praktische Wissen der Rekruten getestet (z. B. auf der Hindernisbahn, Orientierungsmarsch, Schießen, ABC-Abwehr). Wer besteht, hat die AGA erfolgreich absolviert. Meist in diesem Zeitraum legen Sie auch das Feierliche Gelöbnis ab oder leisten Ihren Diensteid als Soldat auf Zeit.

Typischer Tagesablauf in der AGA

In der Grundausbildung ist der Tag streng getaktet. Der Alltag in der Kaserne ist von einem straffen Dienstplan geprägt, der wenig Raum für Leerlauf bietet. Die ersten Wochen sind besonders anstrengend, da Körper und Geist sich an den neuen Rhythmus gewöhnen müssen.

Uhrzeit Tätigkeit Beschreibung
05:00 - 05:30 Wecken und Morgenroutine Aufstehen, Betten bauen (nach strengen Vorgaben), rasieren, Körperpflege, Revier reinigen (Stube putzen).
05:30 - 06:15 Frühstück Gemeinsamer Marsch zur Truppenküche. Schnelles und diszipliniertes Frühstück.
06:30 - 07:00 Antreten Vollzähligkeitskontrolle, Meldung an die Ausbilder, Bekanntgabe des Tagesbefehls und Dienstplans.
07:00 - 12:00 Dienstliche Ausbildung I Waffenausbildung, politischer Unterricht, Gefechtsdienst im Gelände, Sport oder Erste-Hilfe-Kurs.
12:00 - 12:45 Mittagspause Essen in der Truppenküche, kurze Verschnaufpause.
12:45 - 16:30 Dienstliche Ausbildung II Fortsetzung der Ausbildung, z.B. Schießbahn, Märsche oder ABC-Abwehr.
16:30 - 17:30 Waffen- und Ausrüstungsreinigung Waffenreiningung hat oberste Priorität. Erst wenn alles abgenommen ist, geht es weiter.
17:30 - 18:00 Abendessen Gemeinsames Essen in der Truppenküche.
18:00 - 22:00 Dienstunterbrechung / Freizeit Stuben- und Revierreinigung, Stiefelputzen, Uniformen für den nächsten Tag vorbereiten, Lernen für anstehende Prüfungen.
22:00 Nachtruhe Licht aus. Meist ist man ohnehin viel zu erschöpft, um noch wach zu bleiben.

Körperliche Anforderungen und der Basis-Fitness-Test (BFT)

Ein gewisses Maß an sportlicher Leistungsfähigkeit ist zwingend erforderlich. Bereits vor Dienstantritt (im Karrierecenter) und dann zu Beginn der AGA müssen Sie den Basis-Fitness-Test (BFT) bestehen. Dieser Test wird jährlich wiederholt und besteht aus drei Disziplinen:

  • Pendellauf (11 x 10 m Sprinttest): Überprüfung der Sprintfähigkeit und Koordination (Maximalzeit meist 60 Sekunden für die Mindestpunktzahl).
  • Klimmhang: Überprüfung der Kraftausdauer in Armen, Rücken und Rumpf. Dabei müssen Sie sich in der Endposition eines Klimmzugs so lange wie möglich halten (Kinn über der Stange).
  • 1000-Meter-Lauf: Überprüfung der Ausdauer (Zielzeit meist unter 6 Minuten und 30 Sekunden).

Zusätzlich zum BFT wird in der AGA die körperliche Belastbarkeit durch Märsche mit Gepäck (bis zu 15 kg Rucksack) über Distanzen von 6 bis 12 Kilometern trainiert und abgeprüft. Des Weiteren steht Schwimmen (z.B. Kleiderschwimmen) sowie das Überwinden der militärischen Hindernisbahn (HiBa) auf dem Programm.

Ausrüstung und Bekleidung

Die Ausrüstung der Bundeswehr wird Ihnen vollständig gestellt. Einer der ersten großen Programmpunkte der AGA ist das "Einkleiden" bei der LH Bundeswehr Bekleidungsgesellschaft (LHBw) beziehungsweise der Bw Bekleidungsmanagement (BwBM). Hier erhalten Sie mehrere große Seesäcke voll mit Ausrüstung:

  • Feldanzüge (Grundform, Tarnmuster Flecktarn, Hosen, Feldblusen)
  • Kampfstiefel (verschiedene Ausführungen: schwer, leicht)
  • Sportzeug (Hallenschuhe, Laufschuhe, Trainingsanzug, T-Shirts, Hosen)
  • Gefechtsausrüstung (Gefechtshelm, Koppeltragesystem oder Schutzweste, Rucksack)
  • Kälteschutz, Nässeschutz, Unterwäsche und ABC-Schutzmaske
  • Dienstanzug (für formelle Anlässe wie das Gelöbnis)

Sie sind ab diesem Zeitpunkt persönlich für die Pflege, Vollzähligkeit und den korrekten Zustand Ihrer Ausrüstung verantwortlich. Jeder Mangel muss umgehend gemeldet werden.

Tipps für die Vorbereitung auf die Grundausbildung

Tipp 1: Fitness frühzeitig aufbauen

Verlassen Sie sich nicht darauf, in der AGA fit zu werden. Kommen Sie fit in die AGA! Trainieren Sie Kraftausdauer (Liegestütze, Rumpfstabilität, Klimmzüge) und gehen Sie regelmäßig joggen. Ein gutes Fitnesslevel schützt Sie vor Verletzungen und macht den Alltag deutlich erträglicher.

Tipp 2: Stiefel einlaufen (wenn möglich)

Die neuen Kampfstiefel können Blasen verursachen. Wenn Sie privat Wanderschuhe besitzen, gewöhnen Sie Ihre Füße an längere Fußmärsche. In der Kaserne sollten Sie die neuen Stiefel in jeder freien Minute "weichgehen". Nehmen Sie sich hochwertiges Blasenpflaster (z.B. Compeed) und gute Trekkingsocken von zu Hause mit.

Tipp 3: Mentale Einstellung und Teamgeist

Der Ton wird in der Grundausbildung oft rau sein. Ausbilder schreien nicht, um Sie persönlich anzugreifen, sondern um in Stresssituationen Gehorsam und schnelle Reaktionen zu trainieren. Nehmen Sie nichts persönlich. Helfen Sie Ihren Kameraden: Wenn Sie Ihr Gewehr schnell geputzt haben, helfen Sie demjenigen, der noch Probleme hat. Sie werden als Zug oder Gruppe bewertet, nicht als Einzelkämpfer.

Nach der Grundausbildung: Wie geht es weiter?

Haben Sie die Abschlussprüfung (Rekrutenbesichtigung) gemeistert, gilt die Grundausbildung als bestanden. Danach endet für die meisten Rekruten die Zeit am AGA-Standort, und sie werden in ihre eigentliche Stammeinheit versetzt. Dort beginnt die sogenannte Dienstpostenausbildung (Spezialausbildung, DPA).

Abhängig von Ihrer gewählten Laufbahn und Verwendungsreihe werden Sie nun für Ihren speziellen Dienstposten ausgebildet – sei es als Richtschütze auf dem Panzer, als Sanitäter im Bundeswehrkrankenhaus, im Stabsdienst oder im IT-Bereich. Der Ton wird in der Stammeinheit in der Regel deutlich kameradschaftlicher und entspannter als in der AGA, auch wenn der militärische Alltag natürlich weiterhin von Befehl und Gehorsam geprägt bleibt.